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Branche  17.08.2009 (Archiv)

Gamen wie in China?

Die Branche der Konsolen und Games steckt in der Krise und sucht nach Auswegen. Nun sollen alternative Vertriebskonzepte stagnierende Gewinne wieder ankurbeln.

'Der Videospielsektor muss einen signifikanten Einbruch seines Geschäftsmodells hinnehmen. Die westlichen Publisher haben in puncto Profitabilität in den vergangenen paar Jahren keine Zuwächse verzeichnet.' Mit dieser Feststellung sorgte Edward Williams, Managing Director des US-amerikanischen Finanzdienstleisters BMO Capital Markets, kürzlich auf der Edinburg Interactive Conference 2009 für Aufsehen.

Ausschlaggebend dafür, dass trotz erzielter Branchen-Redkordumsätze viele ihrer Vertreter mit einer wirtschaftlichen Stagnation zu kämpfen haben, seien dabei in erster Linie die kontinuierlich steigenden Produktionskosten für Video- und Computerspiele. Um in einem schwierigen Marktumfeld dennoch erfolgreich bestehen zu können, müssten sich die westlichen Branchenvertreter stärker an den chinesischen Kollegen orientieren, die mithilfe neuer alternativer Vertriebsmethoden im Web beständige Zuwächse verzeichnen könnten, forderte Williams.

'Den Spielefirmen in China gelingt es, ihre Gewinne auch weiterhin zu steigern. Der große Unterschied zu den westlichen Games-Publishern besteht in der Art und Weise, wie sie ihre Produkte an die Nutzer vertreiben', stellte der BMO-Capital-Markets-Experte fest. Während die Unternehmen hierzulande immer noch großteils auf traditionelle Vertriebskanäle setzen würden, seien ihre chinesischen Kollegen bereits fleißig damit beschäftig, vielversprechende Alternativen wie etwa direkte Game-Downloads über das Internet anzubieten.

Insbesondere auf dem in letzter Zeit eher schwächelnden Markt für PC-Spiele ließen sich laut Williams mit derartigen neuen Konzepten respektable Erfolge feiern. 'Was das Geschäftsmodell betrifft, dominieren derzeit klar eher traditionelle Ansätze. Die meisten Umsätze werden heute immer noch im Einzelhandel erwirtschaftet', stellt Eugen Knippel, Marketingleiter Ubisoft Austria, gegenüber pressetext fest. Sogenannte 'Direct Downloads' würden aber auch hierzulande bereits zunehmend angeboten.

An diesem eindeutigen Kräfteverhältnis werde sich zwar wohl auch in den kommenden paar Jahren wenig ändern. 'Auf längere Sicht kann aber davon ausgegangen werden, dass alternative Vertriebswege deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Durch solche neuen Konzepte wird sich der Games-Markt in Zukunft aber lediglich etwas verlagern. Ich glaube nicht, dass die Spielebranche einmal auf den Einzelhandel als Einnahmequelle verzichten können wird', meint Knippel.

Dass die neuen Vertriebsansätze sich in China bereits erfolgreich etabliert hätten, sei vermutlich bis zu einem gewissen Grad auch eine Mentalitätsfrage. 'In Asien sind die Konsumenten generell stärker digital erzogen worden, was dazu führt, dass sie sich eher für Game-Downloads begeistern können. Die deutschen Nutzer stellen sich hingegen sehr gerne die entsprechende Verpackung ins Regal', so die Theorie des Ubisoft-Marketingleiters.

Dass die Produktionskosten für aktuelle Game-Veröffentlichungen in den letzten Jahren enorm angestiegen sind, kann Knippel nur bestätigen: 'Heutige Spieleproduktionen sind unglaublich aufwendig. Bei großen Blockbuster-Titeln kann es schon vorkommen, dass die entsprechenden Kosten auf an die 20 Mio. Dollar anwachsen.' Dies sei aber auch durch die ständig höher werdenden Qualitätsansprüche der Gamer zu erklären, denen man als Spielepublisher Rechnung tragen müsse, wenn man weiterhin erfolgreich sein will.

pte/red

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